Erzählkultur: Ein Modellprojekt zur medialen Sprachförderung in Kindergärten und Horten

Im Projekt erzählkultur wurden in den Jahren 2008 und 2009 durch aktive Medienarbeit Kommunikations- und Sprechanlässe für Kinder im Alter von 4 bis 10 Jahren – insbesondere Kinder mit Migrationshintergrund – geschaffen, um damit ihre Sprach-, Medien- sowie ihre soziale Kompetenz zu fördern. Dabei lag der Fokus darauf, was die aktive Medienarbeit im Bereich der Sprachkompetenzförderung leisten kann, wo ihre Stärken liegen und welche Anknüpfungspunkte es zu bereits bestehenden Modellen der Spachkompetenzförderung gibt.

Spannende Materialien zur Sprachkompetenzförderung gibt es unter “Modellprojekte” hier:

http://www.erzaehlkultur.info/

Erzählkultur erhält Dieter-Baacke-Preis (2013)

Mit dem Dieter Baacke-Preis zeichnet die Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK) gemeinsam mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bundesweit jährlich beispielhafte Projekte aus, die in der Bildungs-, Sozial- und Kulturarbeit entstanden sind. Das Projekt “erzählkultur” richtete sich an Kinder im Alter von 4 bis 10 Jahren in Kindergärten und Horten. Ein besonderes Augenmerk wurde auf Kinder mit Migrationshintergrund gerichtet. Neben den Kindern selbst waren auch Eltern und ErzieherInnen Zielgruppen des Projekts. Gefördert wurde das Projekt von der Aktion Mensch. Die große Bedeutung dieses Projekts würdigte die Jury in ihrer Laudatio:

Ohne Sprache geht es nicht: sie ist der Schlüssel zur Welt, um sie zu erforschen und zu verstehen. Sie ist das Fenster, das wir öffnen, um unsere Gedanken und Gefühle anderen zugänglich zu machen.
Spracherwerb ist aber auch wie alles Lernen immer einbettet in ein interaktives und dialogisches Beziehungsgeschehen. Was aber tun, wenn dieser Dialog in einer von Bildern dominierten Umwelt, vielleicht nicht mehr in ausreichendem Maße stattfindet? Wenn Unterhaltung durch Medienkonsum überlagert wird?
Eine gelungene Antwort auf diese Fragen gibt das Projekt “erzählkultur”. Es bedient sich dieser Medien, um Kindern eine Sprache zu geben. In 15 Best-Practice-Projekten wird anschaulich gezeigt, wie 4 bis 10jährige Kinder gemeinsam durch praktische Medienarbeit die Welt entdecken und diese Entdeckungen in Bilder und Sprache übersetzen, also “in Erzählung” bringen.

Das geht zum Beispiel so: die Folgen des Klimawandels werden schnell verstanden, als ein kleiner Plastikeisbär auf seiner Eisscholle in der Glasschüssel den Boden unter den Füßen verliert, weil die heiße Luft eines Föns seine Lebensgrundlage zum Schmelzen bringt. Das Experiment halten die jungen Forscher mit dem Fotoapparat fest, bearbeiten und kommentieren es mit Hilfe der Medienpädagogen am PC und erzählen schließlich ihren Eltern mit einer Powerpoint-Präsentation, was es mit dem Klimawandel so auf sich hat. Und die verstehen dass dann auch. Das ist gelungene Erzählkultur, meint die Jury!

Mut zum Nachmachen, Lust zum Ausprobieren, , Orientierung im Theorie-Dschungel – das vermittelt die begleitende Projekt-Homepage www.erzaehlkultur.info. Hier finden Erzieherinnen und Lehrer, Eltern und Medienpädagoginnen konkrete Tipps und viele Anregungen, Hintergrundwissen, Projektergebnisse, Erfahrungsberichte und Sprachspiele. Diese vorbildhafte mediale Aufbereitung hat die Jury begeistert, weil sie wunderschön anzusehen ist und der Erzählkultur in unserem Lande einen guten Dienst erweist.

Buch: Sprachkompetenzförderung durch aktive Medienarbeit (2010)

Sprache ist der Schlüssel zu Integration und Bildung. Nur wenn Kinder verstehen, was in Kita, Schule oder Hort gesprochen wird und sich darüber hinaus anderen Menschen gegenüber verständlich machen können, sind sie auch in der Lage sich in soziale Prozesse einzubringen und von Lernprozessen zu profitieren. Und nur dann können sie auch soziale Beziehungen knüpfen und aufbauen sowie andere Kulturen kennen lernen.

Ein weiterer Schlüssel zur Teilhabe an unserer Gesellschaft ist der kompetente Umgang mit Medien. Wir leben in einer Mediengesellschaft und in diese wachsen Kinder von Beginn an hinein. Deshalb gilt es, sinnvolle Konzepte zu entwickeln, die Kinder befähigen, selbstbestimmt, kritisch und kreativ mit Medien umzugehen und sie für ihre individuellen Anliegen und Interessen zu nutzen. Darüber hinaus sind Medien auch der Schlüssel zur Integration in soziale Prozesse und können besonders jenen Kindern Partizipation ermöglichen, denen es schwer fällt, sich aufgrund bestimmter Hürden an diesen Prozessen zu beteiligen.
An den Möglichkeiten, die sich aus der Verknüpfung der beiden Bildungssituationen – des Erzähl- und des Medien-Kompetenzerwerbs – ergeben, setzt das Buch zur Sprachkompetenzförderung durch aktive Medienarbeit an. Die Potenziale des Zusammenspiels von Medien und Sprache aufzuführen und Modelle der Projektarbeit vorzustellen, ist das Ziel des Buches, das pädagogischen Fachkräften sowohl theoretische Hintergründe als auch praktische Handreichungen liefert und somit als Rezeptbuch für die eigene kreative Arbeit mit Kindern und Medien viele neue Ideen und Inspirationen liefert.

Klaus Lutz / Kati Struckmeyer (Hrsg.): erzählkultur

Sprachkompetenzförderung durch aktive Medienarbeit

Schriftenreihe Materialien zur Medienpädagogik Band 9,

München 2010, 140 Seiten

ISBN 978-3-86736-248-1
15,00 €

Expertise: Sprachförderlichkeit von Medienarbeit in der Kita

Die von JFF und Medienzentrum Parabol erstellte Expertise zu den sprachförderlichen Potenzialen von Medienarbeit in Kindertagesstätten ist nun online verfügbar. Die Expertise fasst den aktuellen Kenntnisstand zum Thema Sprachförderung durch Mediennutzung zusammen und analysiert die sprachförderlichen Potenziale medienpädagogischer Arbeit in Kindertagesstätten.
Im Auftrag der Arbeitsgruppe Sprachliche Förderung in der Kita des Deutschen Jugendinstituts (DJI) wurden dreißig medienpädagogische Projektkonzepte für Kindergarten- und Vorschulalter unter die Lupe genommen. Ihre Potenziale in Bezug auf Sprachverständnis, differenzierten Sprachgebrauch, Kommunikation sowie Neugier auf Schrift und Schriftkultur waren Hauptgegenstand der Analyse. Dabei zeigte sich, dass die sprachförderlichen Potenziale der Medienarbeit offensichtlich vorhanden, aber bei weitem noch nicht ausgeschöpft sind. Die Entwicklung medienpädagogischer Konzepte für diese Altersgruppe, die Sprachförderung mit medienpädagogische Prinzipien und Zielen verbinden und Medien nicht auf ein didaktisches Mittel reduzieren, steckt weitgehend in den Kinderschuhen.

PDF: Expertise zur Sprachförderlichkeit von Medienarbeit in der Kita

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